Bild: © PFFB
Mehr als Pornos auf der Leinwand: Sex, Politik und ziemlich viel Kunst
Das unabhängige Festival beschäftigt sich seit 2006 mit Sexualität, Feminismus, Gender, Post-Porn und Körperpolitik. Staatliche Förderung bekommt es nicht. Organisiert wird es ehrenamtlich von einem kleinen internationalen Team.
Das Programm fällt dafür ziemlich üppig aus: Jedes Jahr zeigt das Festival etwa 25 bis 30 Langfilme und rund 100 Kurzfilme. Neben expliziter Erotik geht es um sexuelle Ethik, Identität, Körpernormen und alternative Blicke auf Pornografie. Die Kurzfilme treten in Themenblöcken an – 2026 reicht die Auswahl von BDSM bis zu „Eco Sluts“.
Ein Staubsauger eröffnet das Festival
Los geht es am 20. Oktober um 19.30 Uhr im Colosseum mit „A Useful Ghost“. In der schrägen romantischen Satire zieht die Seele einer verstorbenen Frau in einen Staubsauger ein. Gemeinsam mit ihrem Mann bekommt sie es anschließend mit besessenen Kühlschränken, empörten Schwiegereltern und korrupten Politikern zu tun. Der Film gewann 2025 den Grand Prix der Semaine de la Critique in Cannes.
Auch Berlin spielt im Programm eine ausgesprochen freizügige Hauptrolle. „Haunted“ folgt einem jungen Mann und einem geheimnisvollen Paar durch die Darkrooms der Stadt. Die Dokumentation „KitKat Club: Kinks of Berlin“ widmet sich Geschichte und Philosophie des berüchtigten Clubs. Beim „Bloody Night Double Feature“ trifft Sex auf Horror – unter anderem in Ulrike Ottingers „Freak Orlando“ mit Magdalena Montezuma und Delphine Seyrig.
Gezeigt werden die Filme im Moviemento, Babylon Kreuzberg, Colosseum und Kino Central. Die Originalfassungen laufen mit englischen Untertiteln.
Reden wir über Sex: Workshops, Panels und heiße Debatten
Ab Freitag erweitert das S*MAC Forum das Filmprogramm um Panels, Workshops und Performances. Dort geht es unter anderem um Dating-Apps und die Architektur moderner Intimität, Sex und gemeinschaftliche Fürsorge sowie die Zukunft von Erotik in der Kunst. Wer lieber praktisch einsteigt, kann lernen, eigenen Couple-Content zu drehen oder mit Stimme, Blick und Haltung erste Dominatrix-Werkzeuge auszuprobieren.
Nach so viel Theorie darf Berlin selbstverständlich noch tanzen. Am Samstag feiert das Pornfilmfestival seinen 21. Geburtstag im Weekend Club. Die Preisverleihung und Closing Party steigen am Sonntag ab 22 Uhr im Monarch am Kottbusser Tor – bei freiem Eintritt.
Wer es nicht ins Kino schafft, kann einen Teil des Programms bis zum 10. November online streamen. Für alle anderen gilt: Film auswählen, pünktlich erscheinen und auf keinen Fall davon ausgehen, dass bei diesem Festival nur das Offensichtliche über die Leinwand flimmert.
Mehr Infos zum Festival gibt’s hier: pornfilmfestivalberlin.de.




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