Die Kurfürstenstraße ist seit Jahrzehnten Berlins bekannteste Adresse für Straßenprostitution. Jetzt steht der Kiez erneut im politischen Rampenlicht. Anwohner fordern mehr Sicherheit, die Berliner CDU will den Straßenstrich ganz abschaffen. Doch wie konkret sind diese Pläne? Und könnte das Verbot tatsächlich kommen?
CDU will Straßenprostitution in Berlin verbieten
Die CDU hat das Ende der Straßenprostitution in ihr Wahlprogramm aufgenommen. Der erste Schritt soll den Kurfürstenkiez und das Gebiet rund um den Nollendorfplatz betreffen. Später könnte das Verbot auf ganz Berlin ausgeweitet werden.
CDU-Fraktionschef Dirk Stettner begründet den Vorstoß mit der Ausbeutung von Frauen, schlechten hygienischen Bedingungen und den Belastungen für den Kiez. Im Juni demonstrierten mehrere Dutzend Anwohner und Gewerbetreibende für mehr Sicherheit. Sie berichteten von offenem Drogenhandel, Gewalt und Einbrüchen in Wohnhäuser.
Die Forderungen richten sich allerdings nicht ausschließlich gegen den Straßenstrich. Viele Menschen im Viertel verlangen vor allem mehr Polizeipräsenz und ein konsequenteres Vorgehen gegen Dealer.
Warum die Lage an der Kurfürstenstraße eskaliert
Sexarbeit gibt es im Kurfürstenkiez schon seit mehr als einem Jahrhundert. Zugespitzt hat sich die Situation nach Einschätzung von Hilfsorganisationen durch die wachsende Crack-Szene, Obdachlosigkeit und fehlende Rückzugsräume.
Der Frauentreff Olga versorgt dort seit 20 Jahren Sexarbeiterinnen mit Essen, medizinischer Hilfe und Beratung. Sein Mietvertrag endet im Juli 2027. Neue Räume in der Nähe wurden bislang nicht gefunden.
Streetworker warnen, dass gerade besonders gefährdete Frauen damit eine zentrale Anlaufstelle verlieren könnten.
So könnte ein Sperrbezirk in Berlin entstehen
Rechtlich kann Berlin Straßenprostitution per Rechtsverordnung räumlich beschränken oder im gesamten Stadtgebiet untersagen. Grundlage dafür ist Artikel 297 des Einführungsgesetzes zum Strafgesetzbuch. Berlin besitzt bislang keine entsprechende Sperrgebietsverordnung.
Die CDU sieht Innensenatorin Iris Spranger von der SPD am Zug. Ihre Verwaltung verweist auf die notwendige Abstimmung mit den Ressorts für Gesundheit, Bildung und Soziales. Einen entsprechenden Senatsbeschluss oder eine fertige Verordnung gibt es derzeit nicht.
Beratungsstellen und Parteien warnen vor Verdrängung
SPD, Grüne und Linke lehnen den Vorstoß ab. Sie befürchten, dass sich die Straßenprostitution in andere Viertel oder an schwerer kontrollierbare Orte verlagert. Sexarbeiterinnen wären dort für Beratungsstellen schlechter erreichbar und stärker von Gewalt bedroht.
Auch Hydra, eine Berliner Beratungsstelle für Sexarbeitende, warnt vor einem Sperrbezirk. Gefordert werden stattdessen geschützte Arbeitsorte, Hilfsangebote und bessere Ausstiegsmöglichkeiten.
Kommt das Verbot an der Kurfürstenstraße?
Stand August 2026 bleibt das Verbot eine politische Forderung. Innerhalb der schwarz-roten Koalition gibt es dafür keine gemeinsame Linie. Eine kurzfristige Umsetzung erscheint daher wenig wahrscheinlich.
Vom Tisch ist die Idee trotzdem nicht. Die CDU zieht mit ihr in den Berliner Wahlkampf. Bis zur Abgeordnetenhauswahl am 20. September 2026 dürfte die Zukunft des Straßenstrichs weiter für hitzige Debatten sorgen.




Kommentare
Das braucht Berlin. Weil alles unkontrolliert ist, in Läden ist alles Safe.