Ein Klick auf „Ja, ich bin 18“ hält Minderjährige ungefähr so zuverlässig auf wie eine offene Tür. Die EU-Kommission setzt deshalb auf einen digitalen Altersnachweis, der schwerer auszutricksen sein soll. Dein Name und dein Geburtsdatum sollen bei der Erotikseite trotzdem nicht landen.
EU-Altersprüfung: So funktioniert der Ü18-Nachweis
Der digitale Altersnachweis soll als App auf dem Smartphone funktionieren. Je nach Anbieter kann er als eigene Anwendung erscheinen oder später in die nationale digitale Identitäts-Wallet integriert werden.
Bevor die App ihren ersten Einsatz hat, musst du dein Alter einmal bestätigen. Dafür sind mehrere Wege vorgesehen:
- ein biometrischer Ausweis oder Reisepass,
- die nationale Online-Ausweisfunktion,
- eine bereits geprüfte Drittanbieter-App ( z. B. vom Onlinebanking) oder
- eine persönliche Bestätigung bei einer zuständigen Stelle
Nach dieser Prüfung speichert die App lediglich die Information, dass du die verlangte Altersgrenze überschritten hast. Name, Geburtstag und Ausweisnummer sollen nicht übernommen werden. Auch die Verbindung zur Stelle, die dein Alter bestätigt hat, wird anschließend beendet.
Was Erotikseiten über dich erfahren
Möchtest du eine Seite mit Erwachsenencontent öffnen, fragt diese bei der App deinen Altersstatus ab. Die Antwort fällt denkbar knapp aus: „Über 18: ja.“
Welche Person hinter diesem Ja steckt, soll der Anbieter nicht erfahren. Laut EU-Kommission lassen sich auch mehrere Prüfungen derselben Person nicht miteinander verknüpfen. Die App führt zudem keine Liste der besuchten Websites.
Technisch basiert das Verfahren auf sogenannten Zero-Knowledge Proofs. Damit lässt sich eine Eigenschaft bestätigen, ohne die zugrunde liegenden Daten offenzulegen. Die digitale Tür geht auf, aber dein Ausweis bleibt in der Tasche.
Wann kommt die EU-Altersprüfung nach Deutschland?
Der technische Bauplan der EU-Kommission ist seit April 2026 einsatzbereit. Eine einzige zentrale EU-App wird es voraussichtlich trotzdem nicht geben. Staaten und private Anbieter können daraus eigene Anwendungen entwickeln oder die Funktion später in ihre nationale digitale Brieftasche integrieren.
Bis Ende 2026 soll die Altersprüfung möglichst in der gesamten EU verfügbar sein. Zunächst arbeitet die Kommission mit 7 Vorreiterstaaten zusammen: Zypern, Dänemark, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien und Spanien. Deutschland gehört bisher nicht zu dieser Gruppe. Wann hierzulande eine fertige App erscheint, steht noch nicht fest.
Jugendschutz mit offenen Fragen
Die neue Technik ist kein europaweit fertiger Pflichtschalter, den ab sofort jede Erotikseite einbauen muss. Sie soll Plattformen eine datensparsame Lösung bieten, wenn eine zuverlässige Alterskontrolle rechtlich verlangt wird. Der Digital Services Act erhöht bereits den Druck auf große Adult-Plattformen, Minderjährige wirksamer zu schützen.
Hundertprozentig narrensicher ist das System nicht. Selbst die EU-Kommission räumt ein, dass sich Alterskontrollen beispielsweise über VPN-Dienste umgehen lassen könnten. Entscheidend wird außerdem sein, ob genügend Websites die Technik unterstützen und Nutzer den zugelassenen Apps vertrauen.




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