Das Model schläft, der KI-Zwilling flirtet weiter. Er beantwortet Nachrichten, verschickt Voice Notes und erfüllt digitale Sonderwünsche – gleichzeitig für Hunderte Fans. Klingt nach Science-Fiction mit einem Schuss Größenwahn? Für einige Erotik-Creatoren ist es längst ein Geschäftsmodell.
Einmal klonen, bitte!
Für einen digitalen Doppelgänger braucht es heute kein Hollywood-Studio mehr. Die Plattform OhChat ließ sich für die KI-Version von Katie Price nach eigenen Angaben 30 Fotos und ein halbstündiges Gespräch mit einem Bot geben. Daraus entstand „Jordan“: ein Avatar, der aussehen, sprechen und reagieren soll wie Prices berühmtes Alter Ego.
Auch die frühere Adult-Darstellerin Jenna Jameson schickte 2026 ihr digitales Double ins Rennen. Der Avatar chattet rund um die Uhr, verschickt personalisierte Inhalte und soll künftig sogar Videoanrufe führen können. Nach Angaben von OhChat brach AI Jenna direkt in der ersten Woche den bisherigen Umsatzrekord der Plattform. Eine konkrete Summe verriet das Unternehmen allerdings nicht.
So verdient ein KI-Avatar Geld
Das Prinzip erinnert an klassische Creator-Plattformen: Fans zahlen für den Zugang und können weitere Inhalte freischalten. Der Unterschied liegt in der Masse. Ein echtes Model kann immer nur mit einer begrenzten Zahl von Menschen schreiben. Sein Avatar legt parallel hundert charmante Nachtschichten ein – ganz ohne Augenringe.
Geld fließt über Abonnements, kostenpflichtige Bilder, Sprachnachrichten und individuelle Chats. Je persönlicher sich die Unterhaltung anfühlt, desto länger bleiben Nutzer dabei. Das Model erhält je nach Vertrag einen Anteil der Einnahmen, die Plattform kassiert mit.
Nebenbei lässt sich mit dem digitalen Double neuer Content produzieren, ohne für jedes Foto vor der Kamera zu stehen. Andere Outfits, neue Kulissen, ausgefallene Fantasien: Ein paar Prompts später ist das Shooting im Kasten.
Wie passiv ist dieses Einkommen wirklich?
„Passives Einkommen“ klingt verdammt verführerisch. Trotzdem braucht auch der fleißigste KI-Zwilling Aufsicht. Models müssen festlegen, wie freizügig der Avatar auftreten darf, welche Aussagen tabu sind und was mit ihren biometrischen Daten geschieht.
Schließlich hängt am künstlichen Mundwerk ein sehr echter Ruf. Halluziniert der Bot beleidigenden Unsinn oder verspricht einem Fan ein Treffen, landet der Ärger beim Menschen dahinter. Wichtig sind deshalb klare Verträge, Kontrollmöglichkeiten und das Recht, den eigenen Avatar vollständig löschen zu lassen.
Bei Erotik-KI gilt: Ausziehen ja, täuschen nein
Transparenz wird zum festen Bestandteil des Geschäfts. Fanvue erlaubt KI-generierte Inhalte, verlangt aber eine gut sichtbare Kennzeichnung. Bei digitalen Kopien realer Personen sind sowohl eine dokumentierte Zustimmung als auch eine Identitätsprüfung erforderlich.
Ab dem 2. August 2026 gelten zusätzlich die Transparenzpflichten aus Artikel 50 des EU AI Acts: Nutzer müssen grundsätzlich erkennen können, wenn sie direkt mit einem KI-System interagieren. Deepfakes sind als künstlich erzeugt oder manipuliert offenzulegen.
Der digitale Zwilling darf also verführen, plaudern und verkaufen – solange jeder weiß, mit wem er sich da vergnügt. Denn bei aller Technik bleibt Vertrauen die heißeste Währung im Creator-Business.




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